LiFePO4 oder AGM: welche Aufbaubatterie passt in deinen Camper?

Von der Vanmeister Redaktion · Stand: 27.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Batterie mit angeklemmten Polzangen im Gras
Foto: Carl Tronders / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Entscheidend ist die nutzbare Kapazität, nicht die Nennkapazität auf dem Etikett.
  • LiFePO4 ist leichter und zyklenfester, AGM günstiger und unkomplizierter bei Kälte.
  • Viele LiFePO4-Batterien dürfen unter 0 °C nicht geladen werden.
  • Ladegeräte, Solarregler und Booster brauchen die passende Ladekennlinie.
Inhalt dieses Artikels
  1. Die beiden Technologien
  2. Direkter Vergleich
  3. Nutzbare Kapazität rechnen
  4. Laden und Ladegeräte
  5. Kälte und Winterbetrieb
  6. Von AGM auf LiFePO4 umrüsten
  7. Worauf du beim Kauf achtest
  8. Rechenbeispiel
  9. Entscheidungshilfe
  10. Lithium Batterie im Wohnmobil: 100, 200 oder 300 Ah?
  11. Quellen

Die Aufbaubatterie ist das Herz deiner Camper Elektrik. Sie entscheidet, wie lange Kühlbox, Licht und Wasserpumpe laufen, wenn weder Sonne noch Landstrom da sind. Für den Selbstausbau stehen heute vor allem zwei Technologien zur Wahl: die bewährte AGM Batterie und die Lithium Eisenphosphat Batterie, kurz LiFePO4. Hier vergleichen wir beide sachlich und zeigen, wie du die richtige Größe bestimmst.

Die beiden Technologien

AGM steht für Absorbent Glass Mat. Es ist eine Bleibatterie, bei der der Elektrolyt in Glasfaservlies gebunden ist. Sie ist wartungsfrei, auslaufsicher und lagebeständiger als offene Bleibatterien. Gel Batterien funktionieren ähnlich, der Elektrolyt ist dort zu einem Gel verdickt.

LiFePO4 ist eine Lithium Ionen Variante mit Eisenphosphat als Kathode. Im Vergleich zu anderen Lithium Chemien gilt sie als thermisch stabil. Jede LiFePO4 Batterie für den Camper braucht ein Batteriemanagementsystem (BMS), das Zellen überwacht und vor Überladung, Tiefentladung, Überstrom und meist auch vor Laden bei Frost schützt. Bei Fertigbatterien ist das BMS eingebaut.

Direkter Vergleich

KriteriumAGMLiFePO4
Nutzbare Kapazitätfür lange Lebensdauer etwa 50 % der Nennkapazitätetwa 80 bis 100 % der Nennkapazität
Gewichtschwerdeutlich leichter bei gleicher nutzbarer Energie
Spannungsverlaufsinkt mit dem Ladestand spürbar abbleibt lange nahezu konstant
Ladeverhaltendie letzten Prozent laden langsamnimmt hohe Ladeströme auf, lädt schneller voll
Kälteladen auch bei Frost möglich, Kapazität sinktladen unter 0 °C bei vielen Modellen gesperrt
Teilentladungmag es nicht, längere Zeit halbleer zu stehenverträgt Teilladung gut
Anschaffunggünstiger pro Ah Nennkapazitätteurer pro Ah, Preise sind in den letzten Jahren aber stark gesunken

Die Werte sind übliche Planungsgrößen. Was deine konkrete Batterie kann, steht im Datenblatt des Herstellers.

Nutzbare Kapazität rechnen

Die Nennkapazität in Amperestunden (Ah) sagt allein wenig. Entscheidend ist die Energie, die du wirklich nutzen kannst. So rechnest du:

Nutzbare Energie (Wh) = Ah × Nennspannung × nutzbarer Anteil

  • AGM 100 Ah: 100 × 12 × 0,5 = 600 Wh
  • LiFePO4 100 Ah: 100 × 12,8 × 0,9 = rund 1.150 Wh

Eine LiFePO4 Batterie mit 100 Ah liefert im Alltag also fast doppelt so viel nutzbare Energie wie eine AGM Batterie mit gleicher Nennkapazität. Um auf die gleiche nutzbare Energie zu kommen, bräuchtest du rund 200 Ah AGM. Das macht sich beim Gewicht bemerkbar, das bei Kastenwagen bis 3,5 t knapp ist. Prüfe deine Reserve mit dem Gewichts- und Zuladungsrechner.

Deinen Tagesbedarf und die passende Batteriegröße für mehrere Tage ohne Sonne berechnest du im Strom- und Solarrechner.

Laden und Ladegeräte

Beide Batterietypen brauchen eine passende Ladekennlinie. Das gilt für jede Ladequelle:

  • Solarladeregler: Ein MPPT Regler mit wählbarem Profil oder frei einstellbaren Spannungen.
  • Ladebooster: Für die Ladung während der Fahrt, mit LiFePO4 Profil. Details im Ratgeber Ladebooster einbauen.
  • Landstromladegerät: Ebenfalls mit Lithium Profil. Viele ältere Ladegeräte in Wohnmobilen kennen nur Blei Kennlinien.

AGM Batterien laden in mehreren Stufen und brauchen am Ende lange auf hoher Spannung, um ganz voll zu werden. Bleiben sie oft unvollständig geladen, kann ihre Kapazität dauerhaft sinken. LiFePO4 Batterien laden bis kurz vor voll mit hohem Strom und sollten nicht dauerhaft auf hoher Spannung gehalten werden. Die genauen Werte für Ladeschluss und Erhaltungsladung nennt der Hersteller.

Kälte und Winterbetrieb

Bei Frost sind LiFePO4 Zellen empfindlich beim Laden. Viele Hersteller verbieten das Laden unter 0 °C, das BMS sperrt dann die Ladung. Entladen ist meist auch bei Minusgraden erlaubt. Für Wintercamper gibt es drei Lösungen:

  • Batterie im beheizten Innenraum statt im Motorraum oder unter dem Fahrzeug einbauen
  • Batterien mit eingebauter Heizung, die vor dem Laden die Zellen erwärmt
  • Ladegeräte und Booster mit Temperaturfühler, die bei Kälte die Ladung reduzieren oder stoppen

AGM Batterien laden auch bei Frost, verlieren aber bei Kälte merklich an verfügbarer Kapazität. Eine tiefentladene Bleibatterie kann bei starkem Frost Schaden nehmen. Wie du im Winter heizt, ohne die Batterie zu überfordern, liest du in Heizen im Winter.

Von AGM auf LiFePO4 umrüsten

  1. Ladequellen prüfen: Haben Solarregler, Ladegerät und Booster ein LiFePO4 Profil? Wenn nicht, sind Austausch oder Firmware Update nötig.
  2. Trennrelais ersetzen: Ein einfaches Trennrelais ist für LiFePO4 ungeeignet, weil eine leere Lithium Batterie sehr hohe Ströme ziehen kann. Ein Ladebooster begrenzt den Strom.
  3. Absicherung anpassen: LiFePO4 Batterien können sehr hohe Kurzschlussströme liefern. Die Hauptsicherung muss dafür ausgelegt sein.
  4. Batteriemonitor: Weil die Spannung lange konstant bleibt, zeigt ein Spannungsmesser den Ladestand kaum an. Ein Shunt Batteriemonitor misst den Strom und zeigt dir den echten Füllstand.
  5. Einbauort und Befestigung: Herstellerangaben zur Einbaulage beachten und die Batterie so sichern, dass sie bei einer Vollbremsung nicht verrutscht.

Worauf du beim Kauf achtest

  • Maximaler Dauer Lade und Entladestrom des BMS, passend zu Wechselrichter und Booster
  • Tieftemperatur Ladeschutz, besser noch eine integrierte Heizung für den Winter
  • Garantiedauer und die Bedingungen dafür, zum Beispiel Einbaulage oder Ladegeräte
  • Möglichkeit zur Parallelschaltung, falls du später erweitern willst
  • Abmessungen, damit die Batterie unter Sitz oder Bett passt
  • Bei AGM: ausdrücklich als Zyklen oder Versorgungsbatterie bezeichnet, nicht als Starterbatterie

Rechenbeispiel: zwei Tage autark

Angenommen, du brauchst pro Tag rund 700 Wh für Kompressorkühlbox, Licht, Laptop, Handys und Wasserpumpe und willst zwei Tage ohne Nachladen auskommen. Das sind 1.400 Wh.

  • Mit AGM: 1.400 Wh ÷ 0,5 ÷ 12 V ergibt rund 233 Ah. Du würdest zwei bis drei große AGM Batterien einbauen, die zusammen sehr viel wiegen.
  • Mit LiFePO4: 1.400 Wh ÷ 0,9 ÷ 12,8 V ergibt rund 122 Ah. Eine Batterie mit 150 Ah lässt noch Reserve für einen Wechselrichter.

Das Beispiel zeigt, warum LiFePO4 trotz höherem Preis pro Ah im Selbstausbau so beliebt ist: Du bekommst bei weniger Gewicht und Platz mehr nutzbare Energie. Die Verbrauchswerte sind Beispiele, rechne mit den Werten deiner eigenen Geräte.

Entscheidungshilfe

AGM passt, wenn du ein kleines Budget hast, selten autark stehst, deine Ladetechnik nur Blei kann und das Gewicht keine Rolle spielt. LiFePO4 passt, wenn du mehrere Tage ohne Landstrom stehen willst, einen Wechselrichter für Kaffeemaschine oder Induktion planst oder jedes Kilo zählt. Für die meisten Neuausbauten ist LiFePO4 heute die bessere Wahl, vorausgesetzt Ladetechnik und Absicherung passen dazu. Wenn du ganz ohne feste Installation starten willst, lies Powerstation fürs Camping.

Arbeiten an Batterien mit hohen Strömen können gefährlich sein. Batterien immer vor Arbeiten freischalten, jede Plusleitung nah an der Batterie absichern und die Herstellerangaben beachten. Im Zweifel lass dir von einer Fachwerkstatt helfen.

Lithium Batterie im Wohnmobil: 100, 200 oder 300 Ah?

Die Kapazität richtet sich nach deinem Tagesbedarf und den Tagen ohne Ladung. Viele Kastenwagen mit Kühlbox, Licht und Laptop kommen mit 100 bis 200 Ah LiFePO4 aus. Wer viel steht oder mit 230 V kocht, plant größer. Achte bei Testsieger Listen darauf, ob BMS, Tieftemperaturschutz und Garantie passen. Platz unter dem Beifahrersitz, zum Beispiel beim Fiat Ducato, ist begrenzt. Miss vor dem Kauf nach. Mehr zum Fahrzeug: Ducato Camper Ausbau.

Quellen

Quellen geprüft am 27.10.2026.

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