Landstrom im Camper: 230 V Installation sicher planen

Von der Vanmeister Redaktion · Stand: 27.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Verteilerkasten mit Leitungsschutzschaltern und FI-Schutzschalter
Foto: Mark Kats / Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Landstrom lohnt sich für Campingplätze, Winter und Geräte mit hoher Leistung.
  • Die Kette reicht von CEE-Einspeisung über FI-Schutzschalter und Leitungsschutz bis zum Ladegerät.
  • Für Caravans und Motorcaravans gilt die DIN VDE 0100-721.
  • Planen kannst du selbst, Installation und Prüfung gehören zur Elektrofachkraft.
Inhalt dieses Artikels
  1. Wozu Landstrom?
  2. Die Landstrom Kette
  3. Was die Norm verlangt
  4. Materialliste
  5. Planung Schritt für Schritt
  6. Wechselrichter und Landstrom
  7. Leistung an der Säule
  8. Unterwegs anschließen
  9. Typische Fehler
  10. Quellen

Auf Campingplätzen und zu Hause in der Einfahrt ist Landstrom die bequemste Energiequelle. Damit lädst du die Aufbaubatterie, betreibst Wasserkocher oder Föhn und kannst im Winter elektrisch zuheizen. Weil 230 V lebensgefährlich sein können, ist die Planung hier wichtiger als bei der 12 V Technik. Dieser Ratgeber zeigt, wie eine sichere Installation aufgebaut ist und welche Teile du selbst vorbereiten kannst.

230 V ist lebensgefährlich. Einspeisung, Verteiler und alle 230 V Stromkreise sollte eine Elektrofachkraft errichten oder zumindest prüfen und dokumentieren. Maßgeblich ist die Norm DIN VDE 0100-721 für Caravans und Motorcaravans.

Wozu Landstrom?

Ein Landstromanschluss lohnt sich, wenn du regelmäßig auf Campingplätzen stehst, im Winter unterwegs bist oder Geräte mit hoher Leistung nutzen willst, die deine Batterie stark belasten würden. Er ergänzt Solar und Ladebooster, ersetzt sie aber selten. Wer fast nur frei steht, kommt auch ohne aus.

Die Landstrom Kette

Jede Installation folgt derselben Reihenfolge von der Säule bis zur Batterie:

  1. Stromsäule am Stellplatz, abgesichert und meist auf eine bestimmte Stromstärke begrenzt
  2. Zuleitung mit CEE Stecker und CEE Kupplung
  3. Einspeisedose außen am Fahrzeug
  4. Unterverteilung im Fahrzeug mit FI Schutzschalter und Leitungsschutzschaltern
  5. 230 V Stromkreise: Steckdosen, Ladegerät, eventuell Boiler oder Heizlüfter
  6. Ladegerät, das die Aufbaubatterie auf der 12 V Seite lädt

Was die Norm verlangt

Für die elektrische Anlage in Caravans und Motorcaravans gilt die DIN VDE 0100-721 in der Ausgabe von Oktober 2019. Wichtige Punkte daraus, wie sie Fachquellen zusammenfassen:

  • CEE Steckvorrichtung: Am Fahrzeug und an der Säule werden blaue CEE Steckverbindungen verwendet. Im Innenraum sind Schuko Steckdosen erlaubt.
  • FI Schutzschalter: Direkt hinter der Einspeisung sitzt ein Fehlerstromschutzschalter mit höchstens 30 mA Auslösestrom. Alle 230 V Stromkreise im Fahrzeug müssen darüber geschützt sein.
  • Haupttrennschalter: Jede Anlage braucht einen leicht zugänglichen Hauptschalter, der alle aktiven Leiter trennt.
  • Leitungen: Im Fahrzeug werden fein oder mehrdrähtige Leitungen verwendet, starre Installationsleitungen wie NYM sind nicht geeignet. Mindestquerschnitt 1,5 mm².
  • Verlängerungsleitung: Laut promobil fordert die Norm für die Zuleitung den Kabeltyp H07RN-F 3G2,5 mit maximal 25 m Länge.
  • Bedienhinweis: Im Fahrzeug muss eine Anleitung zum sicheren Umgang mit der Anlage angebracht sein.

Laut ADAC Württemberg kann eine Bestätigung der Normeinhaltung bei der Wohnmobilabnahme nicht verlangt werden. Der ADAC rät trotzdem dringend, die Installation von einem qualifizierten Betrieb oder einer Elektrofachkraft prüfen zu lassen, weil sonst Sicherheitsrisiken und Haftungsprobleme drohen.

Materialliste

  • CEE Einspeisedose 230 V, 16 A, für den Außeneinbau
  • Camping Unterverteiler mit FI Schutzschalter 30 mA, zweipolig trennend, und Leitungsschutzschaltern
  • Flexible Leitung, zum Beispiel H07RN-F 3G1,5 oder 3G2,5, im Wellrohr verlegt
  • Schuko Steckdosen für den Innenraum, möglichst mit Klappdeckel in der Nähe von Wasser
  • Landstromladegerät mit passender Kennlinie für deine Batterie
  • Zuleitung H07RN-F 3G2,5 mit CEE Stecker und Kupplung, dazu Adapter auf Schuko für Steckdosen ohne CEE
  • Kabelverschraubungen, Gummitüllen und Dichtmasse für die Durchführung

Planung Schritt für Schritt

  1. Verbraucher auflisten: Welche 230 V Geräte willst du nutzen und wie viel Leistung haben sie? Viele Campingplätze begrenzen auf wenige Ampere. Wasserkocher und Heizlüfter gleichzeitig lösen dann die Sicherung an der Säule aus.
  2. Einspeisung platzieren: Gut erreichbar, geschützt vor Spritzwasser von den Rädern und möglichst kurz zum Verteiler. Viele bauen sie auf der Beifahrerseite ein.
  3. Verteiler platzieren: Trocken, zugänglich, nicht hinter fest verschraubten Verkleidungen. Du musst den FI im Alltag testen und bei Auslösung wieder einschalten können.
  4. Stromkreise trennen: Zum Beispiel einen Kreis für Steckdosen und einen für Ladegerät und Boiler.
  5. Leitungen vorbereiten: Wenn du selbst vorarbeitest, verlege Leerrohre vor der Dämmung und Verkleidung. Den Anschluss und die Prüfung übernimmt die Elektrofachkraft. Wie du Leitungen in die Dämmung integrierst, steht in Van dämmen.
  6. Schutzleiter und Karosserie: Die Anlage wird so ausgeführt, dass im Fehlerfall keine gefährliche Spannung an der Karosserie anliegt. Das ist ein Punkt, den nur eine Fachkraft verantworten sollte.
  7. Prüfung und Dokumentation: Nach der Fertigstellung misst die Fachkraft die Anlage durch und erstellt ein Prüfprotokoll. Das hilft auch bei Versicherung und Wiederverkauf.

Wechselrichter und Landstrom

Viele Ausbauten haben zusätzlich einen Wechselrichter, der aus der Batterie 230 V erzeugt. Wichtig: Landstrom und Wechselrichterausgang dürfen niemals gleichzeitig auf dieselben Steckdosen wirken. Dafür gibt es zwei saubere Lösungen:

  • Netzvorrangschaltung: Ein Umschalter, der bei anliegendem Landstrom automatisch die Steckdosen auf Landstrom umschaltet und den Wechselrichter abtrennt.
  • Kombigerät: Ein Wechselrichter mit eingebautem Ladegerät und Umschaltung. Er lädt bei Landstrom die Batterie und reicht den Strom durch.

Auch hinter dem Wechselrichter brauchst du ein Schutzkonzept. Wie es aussieht, hängt vom Gerät ab und steht in der Herstelleranleitung. Lass das Zusammenspiel von einer Fachkraft planen.

Wie viel Leistung liefert die Säule?

Die Leistung, die du an einer Säule nutzen kannst, ergibt sich aus Spannung mal Absicherung: Bei 230 V und 6 A sind es rund 1.380 W, bei 10 A rund 2.300 W und bei 16 A rund 3.680 W. Welche Absicherung gilt, steht meist an der Säule oder in der Platzordnung. Ein Wasserkocher mit 2.000 W allein kann eine schwach abgesicherte Säule also schon auslasten. Plane deshalb sparsame Geräte ein, zum Beispiel einen Wasserkocher mit geringer Leistung, und schalte große Verbraucher nacheinander statt gleichzeitig.

Ein Ladegerät für die Aufbaubatterie braucht ebenfalls Leistung. Ein Gerät mit 30 A Ladestrom bei 12 V gibt bei einer Ladespannung um 14 V rund 420 W ab und zieht wegen der Wandlungsverluste etwas mehr aus dem Netz. Den genauen Wert nennt das Datenblatt. Manche Ladegeräte und Kombigeräte lassen sich auf eine maximale Netzaufnahme begrenzen. Das ist auf Plätzen mit schwacher Absicherung sehr praktisch.

Unterwegs anschließen

  • Zuerst prüfen, ob die Säule frei und unbeschädigt ist, dann das Kabel erst am Fahrzeug und danach an der Säule einstecken.
  • Kabeltrommeln immer ganz abwickeln, sonst kann sich das Kabel erhitzen.
  • Den FI im Fahrzeug regelmäßig mit der Prüftaste testen, zum Beispiel zu Saisonbeginn.
  • Im Ausland passende Adapter mitnehmen, etwa für Steckdosen ohne CEE.

Typische Fehler

  • Verlängerungskabel einfach durchs Fenster legen statt fester Einspeisung mit FI
  • Starre Hausinstallationsleitung, die durch Vibrationen bricht
  • Keine Netzvorrangschaltung zwischen Landstrom und Wechselrichter
  • Verteiler hinter Möbeln verbaut und nicht mehr erreichbar
  • Ladegerät mit Blei Kennlinie an einer LiFePO4 Batterie, mehr dazu in LiFePO4 oder AGM

Quellen

Quellen geprüft am 27.10.2026.

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